WISSENSCHAFT

Wir müssen rassismuskritische Sichtweisen in der Wissenschaft stärken.

Wokeness steht einer objektiven Wissenschaft feindlich gegenüber. Vereinfacht gesagt stellt die objektive Wissenschaft eine Methode dar, um Thesen über die objektive Realität durch einen systematischen Prozess der Falsifikation zu überprüfen.479 Theorien, welche den Prozess der Falsifikation bestehen, werden als vorläufig wahr angesehen; gleichzeitig sollen diese immer aufs Neue überprüft werden. Nichtfalsifizierbare Thesen werden mit Skepsis betrachtet.480 Das Ziel objektiver Wissenschaft ist eine möglichst genaue Vorhersage der Wirklichkeit, sodass wissenschaftliche Theorien möglichst genau der Realität entsprechen sollen.

Konträr dazu die woke Sicht auf Wissenschaft: Wokeness betrachtet Objektivität weder als möglich noch als wünschenswert.481 Objektive Wissenschaft mit einer realistischen Sicht auf Wahrheit gilt als „weiße“ Form der Wissenschaft. Es gilt als anmaßend, mit wissenschaftlichen Theorien eine objektive Realität beschreiben zu wollen (siehe Wissen). Objektivität gilt als Instrument der Unterdrückung, das von mächtigen weißen Männern geschaffen wurde, um marginalisierte Sichtweisen auszuschließen. Das universale Prinzip objektiver Wissenschaft – dass wissenschaftliche Thesen nur wahr sind, wenn es irrelevant ist, wer die Thesen prüft– wird abgelehnt.

Im Gegenteil, vor allem gelebte Erfahrungen sind relevant, da sie vermeintliche Unterdrückung sichtbar machen sollen (siehe Standpunkt-Theorie).482

Diese partikulare Sichtweise auf Wahrheit geht stark auf die postmodernen Vorstellungen von Foucault zurück: Im Foucaultschen Denken sind Macht und Wissen verbunden als Machtwissen; Wissenschaft wird dadurch zum Ausdruck von Macht.483 Diese Sichtweise von Wissenschaft als Machtfrage wurde von woken Aktivisten übernommen. Ähnlich wie bei Foucault hält auch in der woken Sichtweis eine nur vermeintlich objektive Wissenschaft Unterdrückung aufrecht.

Als Lösung soll die Wissenschaft, die angeblich immer politisch ist, absichtlich politisiert werden. Nun sollen alle wissenschaftlichen Erkenntnisse als problematisch gelten, wenn sie im Widerspruch zu woken Sichtweisen stehen.484

In der Praxis wird Wissenschaft politisiert, sobald Wissenschaftler ihr Bemühen, die Welt zu verstehen, vernachlässigen und stattdessen vor allem eine Vision verfolgen, wie die Welt sein sollte (siehe Kritische-Theorie). Sobald sich genügend Wissenschaftler als Aktivisten verstehen, erfüllt sich die postmoderne These und Wissenschaft wird zu einem politischem Machtspiel. Infolge des politisierten Verständnisses von Wissenschaft werden Barrieren errichtet, die verhindern sollen, dass in der Wissenschaft ein Gegengewicht zum Aktivismus existiert.

In der Praxis gehen Aktivisten häufig ähnlich vor: Utopische Versprechen werden gemacht, Spekulationen über empirische Falsifikation gestellt, Dissidenten durch Cancel-Culture bedroht (siehe Postkolonialismus, Kritische-Pädagogik, Dekolonisierung, Klimagerechtigkeit und CRT).485

Welche Auswirkungen eine politisierte, aktivistische Pseudowissenschaft haben kann, davor warnt die sowjet-kommunistische Vergangenheit: Die Vorstellungen des sogenannten Lysenkoismus, dass Pflanzen ihre Eigenschaften nur aus Umweltfaktoren und nicht aus ihren Genen erwerben, führten zu enormen Missernten. Infolgedessen verhungerten Millionen Menschen.486